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Tiermedizin studieren? Das sind die Voraussetzungen

Das musst du fürs Tiermedizinstudium mitbringen.
Von Julia Gerdes

Du liebst Tiere, möchtest ihnen helfen und könntest dir nichts Besseres vorstellen, als später in einer Tierarztpraxis, im Zoo oder im OP zu arbeiten? Dann ist ein Studium der Tiermedizin vielleicht genau dein Ding! 🩺🐾

Aber wie wird man eigentlich Tierärzt:in? Braucht man dafür ein 1,0-Abi? Ist Latein in der Schule Pflicht? Und was ist dieser Medizinertest überhaupt? In diesem Artikel bekommst du alle Antworten und erfährst:

  • welche Voraussetzungen du mitbringen solltest
  • wie das Auswahlverfahren funktioniert – und wie du deine Chancen erhöhen kannst
  • wie du auch ohne Spitzen-Noten studieren kannst
  • was dich im Studium erwartet – fachlich und persönlich
  • welche Alternativen du hast – in Deutschland, im Ausland oder ganz ohne Studium

Lies rein und finde heraus, ob Tiermedizin der richtige Weg für dich ist!

Brauche ich Abitur, um Tiermedizin zu studieren?

Die kurze Antwort: Meistens ja – aber es gibt auch andere Wege!

🎓 Abitur = Klassischer Weg zur Uni

Um Tiermedizin in Deutschland zu studieren, brauchst du eine sogenannte Hochschulzugangsberechtigung. Die bekommt man in der Regel mit dem Abitur, also der allgemeinen Hochschulreife. Das ist der Standardweg, um an einer Universität zu studieren – das gilt auch für Tiermedizin.

🔧 Aber es geht auch ohne Abi!

Du hast kein Abi, aber schon eine berufliche Ausbildung gemacht? Zum Beispiel eine Meister- oder Fachwirtprüfung bestanden oder eine bestimmte Fortbildung abgeschlossen? Dann kannst du unter bestimmten Voraussetzungen trotzdem für ein Studium zugelassen werden! Je nach Bundesland können hier unterschiedliche Regeln gelten.

Auch wenn du schon ein anderes Studium abgeschlossen hast (z. B. mit einer fachgebundenen Hochschulreife), kannst du dir dadurch den Zugang zu weiteren Studiengängen – also auch Tiermedizin – eröffnen.

Auch ausländische Qualifikationen können anerkannt werden. Das wird aber immer individuell geprüft, also am besten frühzeitig informieren!

📌 Wichtig für deine Bewerbung

Für das Tiermedizinstudium bewirbst du dich nicht direkt bei der Uni, sondern über die zentrale Plattform hochschulstart.de. Dort findest du auch weitere Infos zu den Voraussetzungen.

Wie hoch ist der NC für Tiermedizin?

Du hast sicher schon gehört: Für Tiermedizin brauchst du meist einen richtig guten Abi-Schnitt. Aber was genau bedeutet das eigentlich – und was ist dieser „NC“, von dem alle sprechen? Wir klären das für dich auf.

🔍 Was heißt eigentlich NC?

NC steht für numerus clausus, lateinisch für „beschränkte Anzahl“. Das bedeutet: Es gibt mehr Bewerber:innen als Studienplätze – und deshalb kann nicht jede:r einfach losstudieren. Man muss sich bewerben und es findet ein Auswahlverfahren statt.

Aber Achtung: Der NC ist keine feste Grenze, die vorher von der Uni festgelegt wird! Er ergibt sich immer erst am Ende des Bewerbungsverfahrens, je nachdem wie viele sich bewerben – und wie gut deren Abi ist.

Wir Räumen auf mit den Mythen rund um den NC:

❌ Mythos 1: Der NC steht vorher fest

Nope! Der NC wird nicht von der Uni festgelegt, sondern entsteht im Nachhinein. Er zeigt einfach nur, welche Abi-Note im letzten Durchgang gerade noch ausgereicht hat, um einen Studienplatz zu bekommen. Das heißt: Der NC kann jedes Jahr unterschiedlich sein!

❌ Mythos 2: Mit einem „schlechteren“ Abi habe ich keine Chance

Falsch gedacht! Für das Tiermedizinstudium gibt es mehrere Auswahlwege:

  • 30 Prozent der Plätze gehen an die mit dem besten Abi (die sogenannte Abiturbestenquote).
  • 60 Prozent werden nach eigenen Kriterien der Hochschulen vergeben – dabei zählt zwar oft die Note, die ist dann aber nicht unbedingt ausschlaggebend.
  • 10 Prozent der Plätze werden komplett unabhängig von Schulnoten vergeben – zum Beispiel über den Medizinertest oder berufliche Qualifikationen.
  • Außerdem nehmen nicht alle zugelassenen Bewerber:innen ihren Platz an und du hast die Chance, im Nachrückverfahren einen Studienplatz zu ergattern. Und auch die Landtierarztquote kann dir zu einem Studienplatz verhelfen.

❌ Mythos 3: Der NC ist überall gleich

Nicht ganz. In Deutschland gibt es unterschiedliche Abiturregelungen je Bundesland. Damit es fairer zugeht, wirst du beim Bewerben zuerst nur mit Leuten aus deinem Bundesland verglichen (das nennt sich „Länderlisten“). Erst danach gibt’s eine bundesweite Liste. Das bedeutet: Der NC ist auch abhängig davon, wo du dein Abi gemacht hast.

🧭 Was bedeutet das jetzt konkret für mich?

Ganz einfach: Der NC ist eine Orientierung, keine Hürde. Wenn im vergangenen Jahr der NC z. B. bei 1,3 lag, bedeutet das nicht automatisch, dass du mit 1,5 keine Chance hast. Es kommt auf viele Faktoren an – vor allem wie viele sich bewerben und wie gut die anderen sind.

Zum Wintersemester 2023/24 lag der NC für Tiermedizin übrigens je nach Bundesland zwischen 1,1 und 1,5. Also: Nicht entmutigen lassen!

Kann ich auch ohne gutes Abi Tiermedizin studieren?

Dein Abi war nicht im Einser-Bereich? Keine Sorge! Auch ohne Überflieger-Noten hast du echte Chancen auf einen Studienplatz – denn die Abiturnote ist eben nur ein Teil des Auswahlverfahrens. Sobald 30 Prozent der Studienplätze an die Abiturbestenquote vergeben wurde, fließen noch weitere Kriterien ins Auswahlverfahren ein.

🩺 60 Prozent: Mehr als nur die Note zählt!

Der Großteil der Studienplätze (nämlich 60 Prozent) wird über eigene Auswahlkriterien der Hochschulen vergeben. Die Unis entscheiden also selbst, worauf sie achten – und das ist nicht nur die Abi-Note!

Je nach Hochschule können folgende Dinge berücksichtigt werden:

  • Berufsausbildungen und Berufserfahrung
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten
  • Erfolge bei Bildungswettbewerben
  • Auswahlgespräche an der Hochschule
  • Medizinertest (TMS – Test für Medizinische Studiengänge)

💡 Tipp: Nicht jede Uni bewertet alles gleich. Es lohnt sich, sich vorher bei den Hochschulen über deren Kriterien zu informieren!

🏆 10 Prozent: Ganz ohne Schulnoten!

Diese werden über die sogenannte „Zusätzliche Eignungsquote“ vergeben. Das heißt: Hier zählt dein Abi überhaupt nicht! Stattdessen stehen vor allem diese Dinge im Fokus:

  • dein Ergebnis im Medizinertest (TMS)
  • deine Berufsausbildung
  • deine praktischen Erfahrungen

Wenn du also z. B. eine Ausbildung in einem tiermedizinischen Beruf gemacht hast und beim TMS gut abschneidest, stehen deine Chancen richtig gut.

🐄 Spezialfall Bayern: Die Landtierarztquote

Wenn du dir vorstellen kannst, später mal auf dem Land in Bayern Schweine und Rinder zu behandeln, dann ist die Landtierarztquote eine gute Chance für dich. Mithilfe der Quote und einigen weiteren Faktoren (z. B. Berufserfahrung und Medizinertest), kannst du einen Studienplatz in München ergattern. 

Was ist der Medizinertest (TMS)?

Was genau ist jetzt eigentlich dieser Medizinertest? Hier kommt alles Wichtige, was du dazu wissen musst. Spoiler: Er kann dir echte Vorteile bringen – auch ohne 1,0-Abitur!

❓ Was genau ist der TMS?

Der Test für Medizinische Studiengänge (TMS, umgangssprachlich auch Medizinertest genannt) ist ein freiwilliger Eignungstest für alle, die Medizin oder Tiermedizin studieren wollen. Mit dem Test soll geprüft werden, wie gut du für das Studium geeignet bist – unabhängig von deiner Abitur-Note.

📌 Wichtig: Du musst den Test nicht machen, aber er kann dir viele Zusatzpunkte bringen – vor allem, wenn du nicht über die Abiturbestenquote reinkommst. Und das Beste: Ein schlechtes Ergebnis schadet dir nicht! Nur ein gutes Ergebnis bringt dir etwas – also: Mitmachen lohnt sich fast immer!

⚕️ Wie läuft der TMS ab?

Der Test findet zweimal im Jahr statt – an verschiedenen Orten in ganz Deutschland. Das wird unter anderem getestet:

  • Räumliches Denken
  • Erkennen und Merken von Mustern
  • Textverständnis
  • Naturwissenschaftliches und medizinisches Grundverständnis
  • Zahlen- und Formelverständnis
  • Arbeiten unter Zeitdruck (Bearbeitungszeit für den Test ist begrenzt)

🧬 Muss ich schon medizinisches Fachwissen haben?

Nein! Du musst keine speziellen Fachkenntnisse in Biologie, Chemie oder Physik mitbringen. Es geht nicht darum, was du auswendig gelernt hast, sondern wie du denkst und Probleme löst. Der Test soll zeigen, ob du für das anspruchsvolle Studium geeignet bist. 

📚 Kann ich mich auf den TMS vorbereiten?

Unbedingt! Zum Beispiel mithilfe von:

  • Original-Testfragen und Übungsbücher im Handel
  • Online-Simulationen und Testtrainer
  • Apps zum Üben (ideal für zwischendurch!)

Mit diesen Tools kannst du realistisch trainieren, wie der Test abläuft – das gibt dir Sicherheit und Routine.

Was du sonst noch wissen solltest

Bevor du dich in dein Studium stürzt, fragst du dich sicher: Muss ich in der Schule bestimmte Fächer gehabt haben? Was sollte ich mitbringen? Hier bekommst du alle Antworten auf einen Blick!

🏛️ Brauche ich in der Schule Latein fürs Studium?

Nein, du brauchst kein Latinum! Wenn du in der Schule kein Latein hattest, ist das kein Problem. Du musst dann im Studium einen Terminologie-Kurs belegen. Dort lernst du die wichtigsten lateinischen Fachbegriffe, die du brauchst, um medizinische Texte und Diagnosen zu verstehen. Das ist machbar – und du bist nicht allein!

⚗️ Muss ich in Chemie oder Physik gut sein?

Diese Fächer gehören zu den Grundlagen im Studium:

  • Chemie
  • Physik
  • Zoologie
  • Botanik

Diese Inhalte sind Teil des sogenannten Vorphysikums – also der ersten großen Prüfungen im Studium. Aber keine Panik: Die Profs wissen, dass du Tierärztin oder Tierarzt werden willst – und nicht Chemiker. Du brauchst also keinen Leistungskurs in der Tasche, um mitzukommen. Und wenn es doch mal klemmt? Nachhilfeangebote und Lerngruppen helfen dir weiter!

📌 Fun Fact: Auch wenn die Fächer später nicht mehr so häufig auftauchen, sind sie für bestimmte Bereiche wichtig – z. B. Physik fürs Röntgen und Chemie fürs Verständnis von Medikamenten und Giften.

🐶 Praktikum vor dem Studium – Ja oder nein?

Verpflichtend? Nein. Sinnvoll? Auf jeden Fall!

Ein Praktikum vor dem Studium ist keine Voraussetzung, aber super, um ...

  • herauszufinden, ob dir der Beruf wirklich liegt
  • festzustellen, welche Bereiche dich besonders interessieren
  • zu erleben, wie vielseitig Tiermedizin ist
  • erste Erfahrungen im Umgang mit Tieren zu sammeln
  • dich mit erfahrenen Tierärzt:innen auszutauschen

Egal ob Kleintierpraxis, Bauernhof oder Tierheim – jedes Praktikum bringt dich weiter!

🧠 Welche persönlichen Eigenschaften brauche ich?

Das Tiermedizinstudium ist umfangreich (elf Semester) und fordert dich auf vielen Ebenen. Auch die spätere Arbeit als Tierarzt oder -ärztin erfordert verschiedene Soft Skills.

Das hilft dir im Studium (und später im Beruf):

  • Motivation & Durchhaltevermögen: Der Stundenplan ist voll – und die Prüfungen fordern!
  • Stressresistenz: Viele Prüfungen finden in den „Semesterferien“ statt. Klingt fies? Ist es manchmal auch – aber mit guter Planung geht’s!
  • Organisationstalent: Praktika, Übungen, Tests – den Überblick zu behalten ist Gold wert.
  • Handwerkliches Geschick: Ob im Labor oder beim Tier – zwei linke Hände sind eher hinderlich.
  • Körperliche Belastbarkeit: Vor allem in der Nutztiermedizin kann’s körperlich anstrengend werden.
  • Keine Angst vor Dreck & Geruch: Der Beruf ist nichts für Zartbesaitete – aber dafür umso spannender!
  • Gute Deutschkenntnisse: Die Vorlesungen und Prüfungen sind fast immer auf Deutsch – also solltest du die Sprache sicher beherrschen.

Tiermedizin: Studium im Ausland und Ausbildung

Du willst unbedingt mit Tieren arbeiten, aber das Tiermedizinstudium in Deutschland ist für dich gerade nicht erreichbar? Kein Grund, deinen Traum aufzugeben! Es gibt spannende Alternativen – in Europa und im Ausbildungsbereich.

🎓 Tiermedizin studieren – aber im Ausland!

In Deutschland gibt es nur fünf Hochschulen, an denen man Tiermedizin studieren kann – der Konkurrenzkampf ist also groß. Aber: Du musst nicht zwingend hier bleiben. Du kannst dein Studium auch mit einem Auslandsabenteuer verbinden!

Diese europäischen Unis sind bei deutschen Studierenden besonders beliebt:

  • Veterinärmedizinische Universität Budapest (Ungarn)
  • Veterinärmedizinische Universität Wien (Österreich)
  • Vetsuisse-Fakultät Bern & Zürich (Schweiz)

💡 Tipp: Schau dir die Webseiten der Unis direkt an – dort findest du alle Infos zu Bewerbung, Studieninhalten und Sprachvoraussetzungen.

🐾 Alternativen zum Studium: Ausbildung mit Tieren

Falls du merkst, dass ein langes Studium nicht zu dir passt, gibt es auch ohne Hochschule tolle Wege, im tiermedizinischen Bereich zu arbeiten. Zum Beispiel mit einer Ausbildung in einem tiernahen Beruf:

  • Tiermedizinische:r Fachangestellte:r – du arbeitest direkt in der Tierarztpraxis!
  • Tierpfleger:in – ob im Zoo, Tierheim oder Labor: Tiere stehen im Mittelpunkt.
  • Laborant:in – für alle, die lieber im Hintergrund forschen und arbeiten.

Diese Berufe bieten viel Praxis, spannende Aufgaben und echte Verantwortung – und oft kann man sich später sogar noch weiterqualifizieren!

Du möchtest eine Ausbildung mit Tieren machen? Dann schau dich doch direkt auf unserem Stellenmarkt um und finde deinen Ausbildungsplatz!


Kommt der Weg für dich infrage? Im Beitrag „Wo kann ich Tiermedizin studieren" zeigen wir dir, in welchen deutschen Städten und an welchen Hochschulen oder Universitäten du dich bewerben kannst.

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